NEDERLANDSE STICHTING HELPEN MET PAARDEN – EQUITHERAPIE (SHP)
Mit dem Pferd Bedürfnisse befriedigen, Ressourcen aktivieren und Fertigkeiten vergrößern
Das Passformmodell von Pesso in Pädagogik, Psychotherapie und psychosozialer Begleitung mit dem Pferd – Ein zweieinhalbtägiges Fachseminar.
Dieses Fachseminar haben wird bereits zweimal für Reittherapeuten anderer Organisationen ausgerichtet. Wir planen das in der kommenden Ausbildungsseaison wieder zu tun
Seminardetails & Veranstaltungsort
Veranstaltungsort: HippoCampus, De Bult 2, 6027 RG Soerendonk, Niederlande (¾ Stunde von Aachen, ½ Stunde von Venlo entfernt)
Termin: Ein neuer Termin steht in Kürze in Aussicht.
Anmeldung: Über die Seite des DKThR: DKThR-Fachseminare
Die Dozenten
Dr. phil. Ulrike Thiel:
In Österreich promovierte klinische Psychologin, Reittherapeutin (ÖKThR), Reit- und Voltigierlehrerin, Sportlehrerin, Dressurrichterin und Behindertenreitlehrerin. Sie hat in ihrem Berufsweg wissenschaftlich in der Forschung gearbeitet, eine eigene Therapiepraxis geleitet, im Justizvollzug und für das Jugendamt als Psychologin und Gutachterin gewirkt. Seit über 25 Jahren ist sie nun in den Niederlanden tätig und leitet seit 1994 das Institut für Equitherapie und Pferdesportpsychologie HippoCampus, wo sie die Psychomotorik des Reitens und der Pferdeausbildung lehrt. Seit nunmehr 17 Jahren entwickelt und leitet sie für den Verband „Nederlandse Stichting Helpen met Paarden – Equitherapie“ (SHP) die Ausbildung und Weiterbildung von Equitherapeuten SHP. Für diesen Verband saß sie zwei Jahre im Vorstand des FATP und in einigen Arbeitsgruppen der FRDI und koordinierte für SHP ein EU-Projekt. Sie war maßgeblich an der Entwicklung des Passformmodells im Rahmen der Equitherapie SHP-E(NL) beteiligt, indem sie das der körperorientierten Psychotherapie nach Pesso-Boyden zugrundeliegende Modell für das therapeutische Reiten adaptiert hat. Seither formt dieses Modell eine der Grundlagen von Equine Mediated Therapy nach SHP-E(NL).
Prof. Dr. Iman Baardman:
Prof. Iman Baardman lehrte an der Freien Universität Amsterdam Psychomotorische Therapie als Universitätsdozent und ist Ausbilder und Lehrtherapeut der Niederländischen „Pesso-Vereniging“ des Verbandes, der die Ausbildung für „Körperorientierte Psychotherapie nach Pesso Boyden“ organisiert. Herr Baardman hat schon vor einigen Jahren an Weiterbildungen unserer von SHP ausgebildeten Equitherapeuten mitgearbeitet. Er übernahm den Part der Auseinandersetzung mit dem Pesso-Konzept und dessen wissenschaftlicher Unterbauung sowie einiger praktischer Übungen.
Rollenverteilung im Seminar:
Dr. Ulrike Thiel, die im Rahmen des Equitherapiekonzeptes von SHP-E(NL) das Passformmodell von Pesso zu einem Bestandteil des therapeutischen Reitens nach den Richtlinien von Equitherapie (SHP-E(NL)) entwickelt hat, übernimmt den Part der Adaptation des Passformmodells für das therapeutische Reiten und für unterschiedliche Erscheinungsformen desselben in der Heilpädagogik, Psychologie, Psychotherapie, Entwicklungsförderung und psychosozialen Begleitung.
Wichtiger Hinweis & Neue Co-Dozentin
Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Prof. Iman Baardman gestern seine bisher mehrfach bewährte und inspirierende Mitarbeit an der Veranstaltung zu seinem großen Bedauern absagen musste, da er plötzlich von ernstlichen Gesundheitsproblemen heimgesucht worden ist, die ihm eine Teilnahme an dem Seminar nicht gestatten.
Wir konnten trotz des kurzfristigen Termins dankenswerterweise für den Part, den er als quasi „normaler Pessotherapeut“ im Dialog mit einem „Pesso-orientierten Equitherapeuten“ eingenommen hätte, Christine Sarembe gewinnen und freuen uns, sie Ihnen als die neue Co-Dozentin bereits im Vorfeld präsentieren zu können.
Christine Sarembe ist psychomotorische Therapeutin und Pesso-Therapeutin. Sie kommt ursprünglich aus Deutschland, lebt aber seit 1984 in den Niederlanden.
Seit mehr als zwanzig Jahren arbeitet sie in der Psychiatrie. Ihre Schwerpunkte darin sind die Arbeit mit Depressionen und Angststörungen. Zusammen mit einem Kollegen leitet sie Pesso-Therapiegruppen in der Praxis „Belloods“ in Epe. Momentan rundet sie eine Coachingausbildung am ITIP Instituut (school voor leven en werk) ab. In ihrer Arbeit geht Christine davon aus, dass jeder Mensch nach einem sinnvollen Leben strebt und dass er den Wunsch in sich trägt, sich seinen Anlagen entsprechend optimal zu entwickeln. Sie sieht ihre Arbeit als ein Mittel, um Veränderungsprozesse zu ermöglichen, die dem Klienten helfen, um mehr in Einklang mit dem zu kommen, was ihm im Leben wirklich wichtig ist. Dies in Übereinstimmung mit den eigenen Bedürfnissen und Talenten (Ressourcen und Fertigkeiten) und im Zusammenspiel mit seiner Umwelt. Durch eine stärkere Verbindung mit dem eigenen Körper kann mehr Harmonie entstehen zwischen dem Denken, dem Fühlen und dem Handeln. Die therapeutische Beziehung zum Klienten steht in ihrer Arbeit zentral. Von hier aus kann der Klient sich öffnen, für alles was er an Verarbeitung und Veränderung möglich machen möchte.
Total 2,5 Tage mit Netto (4 + 10 + 4 Arbeitsstunden à 45 Minuten)
Freitag (16:00 – 20:00 Uhr | 4 Netto-Stunden): Ankunft, Kennenlernen der Kollegen, des Veranstalters und Führung durch die Anlage. Gemeinsame Planung der allgemeinen und persönlichen Zielsetzungen, Einführung in das Passformmodell nach Pesso im Rahmen des therapeutischen Reitens, gemeinsames Buffet und Ausklang mit Vorbereitung auf die kommenden Tage.
Samstag (9:30 – 18:30 Uhr | 10 Arbeitsstunden plus Mittagspause und Kaffeepausen): Entdecken des Passformmodells von Pesso anhand der theoretischen Grundlagen sowie praktischer Übungen ohne und mit dem Pferd. Es wird gezeigt, wie das Passformmodell von Pesso selbst durch die Einbeziehung des Pferdes und das bedingungslose Getragenwerden, das nur das Pferd bieten kann, eine Extradimension bekommt, und wie andererseits die Erarbeitung der Klientenziele nach Bedürfnissen, Ressourcen und Fertigkeiten dem Equitherapeuten mehr Tools in die Hände gibt, um mit dem Pferd Bedürfnisse zu befriedigen, Ressourcen aktivieren und Fertigkeiten vergrößern zu können.
Sonntag (9:30 – 14:30 Uhr | 5 Arbeitsstunden plus Kaffeepause und Mittagspause): Fortsetzung der noch offenen Punkte des zweiten Tages plus Erarbeitung von für jeden Teilnehmer sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten anhand eines Fallbeispiels in der Pädagogik, Psychologie, Psychotherapie und Entwicklungsförderung sowie psychosozialen Begleitung.
Die Teilnehmer erhalten
- Ein persönliches Arbeitsheft (Logbuch)
- Handouts der Vorträge als PDF nachher zugesendet per Mail
- Sowie das Buch: Thiel et al.: Equitherapie: Entwickeln, Fördern, Unterstützen und Heilen mit Hilfe des Pferdes mit einigen Kapiteln über das Passformmodell sowie dessen Umsetzung in unterschiedlichen Sparten der Equitherapie
Mehr zum Buch
Weitere Informationen
https://de.wikipedia.org/wiki/Pesso-Therapie
Pesso Boyden System Psychomotor (PBSP) ist eine Form der Körperorientierten Psychotherapie, die seit Anfang der 1960er-Jahre von Albert Pesso (* 19.9.1929 † 19.05.2016) und Diane Boyden-Pesso (* 08.08.1929 † 04.03.2016) entwickelt wurde. Sie verfolgt einen eigenen ganzheitlichen Ansatz, der auch Elemente analytischer, kognitiver, humanistischer und systemischer Psychotherapie umfasst. Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung Pesso-Therapie oder Pesso-Psychotherapie üblich.
Umschreibung des Inhaltes:
Im Zuge der Entwicklung meiner eigenen equitherapeutischen Praxis sowie der Projektentwicklung von therapeutischem Reiten in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher, einem Internat für Kinder und Jugendliche mit Lern- und Verhaltensproblemen und weiteren heilpädagogischen Einrichtungen suchte ich nach einem fundierten Konzept als Basis für die Arbeit mit Pferden als „Co-Therapeuten“ mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im pädagogischen, psychosozialen und psychotherapeutischen Kontext in Anlehnung an die Arbeit im Heilpädagogischen Voltigieren nach dem Konzept von Kröger (1977; 1982; 1990; 1996). Vor allem galt es, die Rolle des Pferdes im Rahmen dieser Maßnahmen mit unterschiedlichen Zielgruppen und Indikationen zu definieren und auch modellhaft bei der Ausbildung zum Equitherapeuten mit unterschiedlichen Spezialisierungen weitergeben zu können.
Aufgrund meiner persönlichen Entwicklung und Ausbildung (Klinischer Psychologe, Kinderpsychologe und Psychotherapeut, heilpädagogisches Voltigieren/Reiten ÖKThR und Behindertenreitlehrer ÖKThR) sowie meiner klassischen hippischen Ausrichtung war für mich klar, dass Heilpädagogisches Voltigieren als Basis für diese Arbeit mit Pferden und Klienten dienen sollte. In weiterer Folge hat sich in einem längeren Prozess von Nachdenken, Studium, Praxiserfahrung, Diskussion mit Kollegen und Erprobung in einigen Projekten ein Equitherapeutisches Konzept entwickelt, das es nicht nur mir selbst ermöglicht, meine „normale“ oder „nicht hippische“ Therapiepraxis mit dem therapeutischen Reiten integrativ zu betreiben. Auch gelang es damit, ein Basiskonzept auf verständliche Weise an angehende Equitherapeuten, die aus unterschiedlichen helfenden und heilenden Grundberufen kommen, weiterzugeben.
Dabei habe ich meine „psychotherapeutische Heimat“ in der körperorientierten Psychotherapie nach Pesso (Pesso-Boyden Psycho-Motor Therapy – PBSP) finden können, die mir als psychodynamisch orientierte theoretische Basis für die pädagogische und psychotherapeutische Arbeit nach dem Passformmodell (zum individuellen Klienten passendes Angebot der Bedürfnisbefriedigung, Ressourcenaktivierung und Entwicklung von Fertigkeiten) mit Hilfe des Pferdes dienen kann. Gleichzeitig bietet sie auch eine praktisch-methodische Grundlage für mein vor 15 Jahren erstelltes und seither weiterentwickeltes Konzept von Psychomotorisch-therapeutischem Voltigieren (PMTV) als psychodynamisch orientierte Version der Psychotherapie mit dem Pferd sowie PSMV (Psychosozial-motorisches Voltigieren) als psychosoziale, unterstützende Therapieform.
PMTV wie auch PSMV ermöglichen eine große Bandbreite der Anwendung bei verschiedensten Indikationen von schwerer chronischer Psychiatrie bis zu Selbsterfahrungsgruppen für Reiter, die mehr über sich selbst und ihr Verhältnis zum Pferd wissen wollen. Meinen jugendlichen und erwachsenen Klienten, Pferden und mir selbst macht diese Form der Therapie als gemeinsame Entdeckungsreise durch Körper und Seele viel Freude. Auch bietet PMTV angehenden Equitherapeuten in der Ausbildungsphase ein gutes Rüstzeug, um aufbauend auf ihre Kenntnisse im Heilpädagogischen Voltigieren (HPV) psychotherapeutisch und psychosozial unterstützend mit dem Pferd arbeiten zu können. Ebenso hilft dieses Modell beim Übergang von pädagogischen Maßnahmen zu therapeutischen Prozessen, wie sie vor allem bei jugendlichen Klienten häufig vorkommen können.
Pesso-Boyden Psychotherapie (PBSP) ist eine psychodynamisch orientierte Therapieform, die die essentielle Befriedigung von in der individuellen Entwicklung vernachlässigten menschlichen Grundbedürfnissen berücksichtigt und am Heilungsprozess beteiligt, die zu einem veränderten Erleben des eigenen Selbst und seiner Sicht auf und seinen Umgang mit der Umwelt führen soll. Ziel ist ein Lebensgefühl, worin aus einem wiederhergestellten Vertrauen in das eigene Selbst und die Umwelt ein bedeutungs- und freudvolles Erleben des Individuums und der Interaktion mit der Umgebung möglich wird. PBSP bietet dem Klienten einen räumlichen und zeitlichen Rahmen und Strukturen an, in denen er über sein eigenes Körpergedächtnis Zugang zu seinen unbefriedigten Bedürfnissen finden kann, die dann auf symbolische Weise im Hier und Jetzt in Form einer Re-Inszenierung der historischen Gegebenheiten adäquate Befriedigung finden können.
Die Ressourcen von Körper, Geist und Seele werden dabei angesprochen, um alternative Gedächtnisstrukturen zu erstellen, die schließlich helfen können, die alten historischen negativen Engramme in ihren verunsichernden Auswirkungen auf das heutige Erleben zu neutralisieren. Ziel ist es, den ursprünglichen Entwicklungsprozess des eigenen wahren Selbst praktisch zu korrigieren, ohne die historischen Gegebenheiten löschen zu wollen, da sie auch Teil des eigenen Selbst sind. Ergänzung anstelle von Verdrängung, Verleugnung und Coping ist angesagt. Mehrere solcher Prozesse sollen dem Klienten ermöglichen, das eigene wahre Selbst finden zu können, das ihm in die Wiege gelegt worden ist – das Selbst, das sich hätte entwickeln können, wenn die menschlichen Grundbedürfnisse Nahrung, Platz, Unterstützung, Schutz und Begrenzung in ausreichendem Maße im Zuge seiner Entwicklungsgeschichte adäquat befriedigt worden wären. Das Selbst, dem es gelingt, die inneren biologischen Polaritäten zu integrieren, ein positives Selbstbewusstsein zu entwickeln, das darüber hinaus Vertrauen in die Selbstorganisation und Selbststeuerung sein eigen nennt. Mit anderen Worten, die eigene Persönlichkeit in ihrer Einzigartigkeit zu entwickeln und sich selbst zu schätzen. Daraus entsteht eine neue Erlebnisperspektive auf das tägliche Leben. In die Methode wird das Verständnis der physiologischen, neurophysiologischen und psychologischen Entwicklungsgeschichte des Menschen mit aufgenommen.
Verpflegung
- Kaffee, Tee und Snacks zur freien Entnahme
- Freitags Abendbuffet
- Samstags Mittagsbuffet
- Sonntags Mittagsbuffet (Mitnahme von Brötchen für die Reise möglich)
Information zum Pesso-Boyden-Therapiekonzept